Biergläser

Lass mal reden über… Norwegen und teueres Bier

„Schatz, ich will nächstes Jahr entweder nach Irland oder nach Norwegen”, eröffne ich dem weltbesten Ehemann an einem usseligen Sonntagabend im vergangenen Dezember, während wir beide gemütlich auf unserem Sofa herumlümmeln. Der weltbeste Ehemann hört auf Programmzeilen in sein MacBook zu hacken und schaut mich stattdessen lange an. „Dein ernst?”, fragt er. „Du bist doch diejenige, die ständig friert. Und jetzt willst du ausgerechnet nach Norwegen oder Irland?” Ich nickte. Der Mann schüttelt mit dem Kopf. „Da soll nochmal einer euch Frauen verstehen.”

Nach ein paar kleineren Diskussionen einigen wir uns schließlich auf Norwegen. Ich stürze mich sofort in die Planung, muss aber schon bald feststellen, dass es vollkommen unmöglich ist in zwei Wochen mehr als nur einen kleinen Teil von Norwegen anzusehen.

Also streiche ich schweren Herzens einige Ziele wieder aus meiner Route und beschränke mich bei meiner Planung auf Fjordnorwegen.

Mitte Mai geht es endlich los. Der Mann und ich stehen mit voll gepackten Koffern am Düsseldorfer Flughafen. Dabei machen Klamotten in der Tat nur einen sehr kleinen Teil unseres Reisegepäcks aus. Der Koffer des weltbesten Mannes ist etwa zur Hälfte mit Videoequipment, einer Drohne nebst Zubehör und diversen Kabeln gefüllt. Mein Kofferinhalt besteht zu einem nicht unerheblichen Teil aus einem Notvorrat an Lebensmitteln – Nudeln, abgepacktes Brot, Öl, ein paar Gewürze, Müsliriegel – und Alkohol. Schließlich ist beides in Norwegen verdammt teuer. Und da wir auch nicht genau wissen, in welchen Unterkünften wir in den nächsten zwei Wochen übernachten werden habe ich vorsichtshalber auch mal Teller und Besteck sowie einen faltbaren Kaffeefilterhalter eingepackt. Man weiß ja nie…

Nachdem wir das Gepäck aufgegeben haben, gönnen wir uns für insgesamt 10 EUR beide noch ein großes Bier. „Die Preise hier am Flughafen sind schon mal eine gute Einstimmung auf Norwegen“, frotzelt mein Mann, nicht ahnend, wie falsch er damit liegen sollte.

Mit SAS fliegen wir über Kopenhagen nach Bergen, wo wir die erste Nacht in einem Hotel direkt am Flughafen verbringen. „Komm”, sage ich. „Lass uns vor dem Schlafen nochmal runter in die Lobby gehen. Ich spendiere uns ein Willkommen-in-Norwegen-Bier.”

Der Barkeeper empfiehlt mir ein dunkles Bier, dass angeblich sehr typisch für Norwegen ist. (Komischerweise habe ich das „typische” Bier bei unserer weiteren Reise irgendwo mehr entdeckt.) Die beiden Biere machen 194 norwegische Kronen. Ich bin noch nicht besonders vertraut mit dem Wechselkurs und zücke daher ganz unbedarft meine Kreditkarte. Nur wenige Sekunden später informiert mich meine Banking App darüber, dass ich soeben 20,43 EUR für zwei Biere – 0,33l wohl bemerkt – bezahlt habe.

20 EURO FÜR ZWEI KLEINE BIER?! Wehe, wenn dieses Bier jetzt nicht das mit Abstand geilste Bier ist, was ich jemals getrunken habe, fluche ich innerlich.
Ganz vorsichtig nehme die beiden Gläser und achte penibelst darauf, nicht einen Tropfen meiner kostbaren Fracht zu verschütten.

„Alter, ich habe gerade 20 Euro für zwei Bier bezahlt! Wehe, du genießt die Scheiße nicht.“
Der weltbeste Mann fängt schallend an zu lachen, prostet mir zu und trinkt einen großen Schluck. „Soll ich dir mal was sagen? Dafür, dass das scheiß Bier so teuer war, schmeckt es gar nicht mal so gut.“

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