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Rezensionen von Sachbüchern

Kochbuch in liebevolle Hände anzugeben

Ich wette jeder von euch der gerne kocht hat sie, diese dunkle Ecke der vergessenen Kochbücher. Einsam und verstaubt fristen sie ihr tristes Dasein – fast vergessen zwischen all jenen die regelmäßig aus dem Regal gezogen werden, um aus ihnen die leckersten Gerichte nachzukochen.

Dabei stehen diese vergessenen Kochbüchern den anderen, die regelmäßig zum Einsatz kommen, oft in nichts nach. Ich kann selbst nicht genau erklären, warum ich aus den meisten meiner „Schatten-Kochbücher“ noch nie etwas nachgekocht habe. Schließlich habe ich sie irgendwann mal selbst gekauft. *grübel* 

Um den vergessenen Kochbüchern den endgültigen Weg in den Altpapiercontainer zu ersparen, suche ich auf diesem Wege liebevolle neue Besitzer, die ihnen in ihrem Bücherregal ein gutes zu Hause schenken.
Falls sich jemand für eines oder mehrere der Bücher begeistern kann, hinterlasst mir doch einfach einen Kommentar unter diesem Post. :)
Hier noch mal die Bücher im Überblick.
Kochbücher zu verschenken

Mein Lacher des gestrigen Abends:
Edward Snowden has been nominated for a Nobel Peace Prize.
Ich meine: ERNSTHAFT?! Ehrlich, ich habe nichts gegen Herrn Snowden – im Gegenteil –  wir sollten ihm sogar dankbar dafür sein, dass er ausgepackt und uns eine Idee davon gegeben hat, wie es wirklich um die Überwachungs- und Spionagepraktiken der Geheimdienste – NSA, BND, DGSE und Co. – bestellt ist (auch wenn ich persönlich glaube, das es eigentlich noch viel krasser ist, als wir alle vermuten.) Aber dafür einen Friedensnobelpreis?! Gut, in den letzten Jahren wurden immer rund 200 – 240 Menschen für diesen Preis vorgeschlagen, ergo ist es fraglich, ob er wirklich Chancen darauf hat … vielleicht sollte man mal bei der NSA anfragen, die wissen sicher schon mehr…
Andererseits: Obama (2009) und die EU (2012) sind inzwischen auch Preisträger, da frage ich mich, ob man diesen Preis langfristig überhaupt noch erst nehmen kann….
Aber genug davon. Ich wollte schließlich über Nelson Mandela reden – einen Nobelpreisträger, bei dem die Verleihung in meinen Augen auch gerechtfertigt war.
Ich habe bereits vor drei oder vier Jahren seine Autobiographie „Der lange Weg zur Freiheit“ (Long Walk to Freedom) gelesen und kann sie nur jedem weiter empfehlen.
Das rund 860-Seiten starke Buch (ich empfehle daher die Taschenbuch- oder eBook-Version) teilt sich in 11 Teile, entsprechend den 11 Kapiteln der Autobiographie:

1. Eine Kindheit auf dem Lande
2. Johannesburg
3. Die Geburt eines Freiheitskämpfers
4. Der Kampf ist mein Leben
5. Verrat
6. Der schwarze Pimpernell
7. Rivonia
8. Robben Island: Die schwarzen Jahre
9. Robben Island: Wachsende Hoffnung
10. Reden mit dem Feind
11. Freiheit

Der, am 18. Juli 1918 in Mrezo/Transkei geborene, Häuptlingssohn Mandela beschreibt ausführlich seine Kindheit und Jugend, sein Jura-Studium und den Verlauf seiner politischen Karriere. In den 1950’er Jahren kam Mandela durch seinen Freund Walter Sisulu zum African National Congress (ANC) und wurde selbst 1951 zum Präsidenten der ANC Youth League gewählt. 1961 sieht Mandela, nach einem Freispruch in einem langwierigen Prozess gegen ihn wegen Hochverrats, gezwungen in den Untergrund zu gehen, um im Geheimen weiterhin für die Rechte der schwarzen Bevölkerung zu kämpfen. Dies meint er zu diesem Zeitpunkt tatsächlich wörtlich, denn Mandela war mit keineswegs ein südafrikanischer Gandhi. In seiner Autobiographie heißt es: „Wenn die Reaktion der Regierung darin besteht, mit nackter Gewalt unseren gewaltlosen Kampf zu zermalmen, so werden wir unsere Taktik zu überdenken haben.“ [1]
Mandela wird zum Kopf des bewaffneten Flügels des ANC und versucht zudem verstärkt unterstützer im Ausland zu akquirieren. Doch bereits im darauffolgenden Jahr (1962) erfolgt abermals eine Verhaftung. Nach einem zweijährigen Prozess wird Mandela 1964 zu einer lebenslangen Haftstrafe verurteilt. Im Weiteren verlauf seiner Autobiographie beschreibt Mandela die folgenden 27 Jahre, die er in Gefangenschaft auf Robben Island, verbringen musste. Berichtet von seiner Entlassung 1991 und seiner Wahl zum Staatsoberhaupt Südafrikas 1994.

Nelson Mandelas Autobiographie ist ein wirklich beeindruckendes Buch und in meinen Augen ein absolutes „Muss“ auf der Liste von Büchern, die man in seinem Leben unbedingt gelesen haben sollte. Der einzige Wermutstropfen: Das Buch verrät wenig über Mandela als Privatperson, aber das muss es vielleicht auch gar nicht. Schließlich hat jeder das recht auf seiner Privatsphäre – nicht wahr liebe Nachrichtendienste?!

[1] Nelson Mandela: Der lange Weg zur Freiheit. Frankfurt a.M., 20. Aufl., 1997, S. 364.

Klappentext:
Nach rund einem Jahrzehnt investigativer Recherche in Kigali, Paris, New York und Brüssel deckt Linda Melvern die Rollen von Vertretern der Vereinten Nationen, wie Boutros Boutros-Ghali oder Kofi Annan, auf und klagt die beteiligten westlichen Institutionen der Komplizenschaft an. Laut ihren Unterlagen bildete das französische Militär die Killer aus. Die USA halten bis heute Abhör- und Satellitenbeweise zurück. Die britische Regierung ignorierte sichere Warnungen, nach denen der Völkermord geplant wurde. Auch die belgische und die französische Regierung waren bereits über die Vorbereitungen informiert. Und der UN-Sicherheitsrat entschied in beschämender Weise, die Friedenstruppen aus Ruanda zu verlegen, obwohl der Völkermord sich abzeichnete. Neben den offiziellen Dokumenten bezieht sich Melvern auf Dutzende Zeugenaussagen vor dem Internationalen Strafgerichtshof für Ruanda sowie auf das bisher unveröffentlichte Geständnis des damaligen ruandischen Premierministers. Darüber hinaus interviewte sie selbst zahlreiche Überlebende. Ein einzigartiges Buch über das Versagen der UN, die einst mit dem Ziel gegründet wurden, Völkermorde zu verhindern.

 

Alle Fakten, die Linda Melvern in ihrem Buch „Ruanda – Der Völkermord und die Beteiligung der westlichen Welt“ zusammenträgt, wurden von der britischen Journalistin über mehrere Jahre genauestes recherchiert, geprüft und gelegt. Sie liefert damit eine recht umfassende Darstellung der Ereignisse, die 1994 letztlich zum Genozid in Ruanda führten. Ein Zeittafel die vom Beginn des 16. Jahrhunderts bis in die 1990’er Jahre reicht, ordnen den Völkermord in seinen historischen Zusammenhang ein. Das beigefügte Kartenmaterial, so wie ein Personenregister helfen dem Leser zudem die geschilderten Geschehnisse nachzuvollziehen und genannte Personen richtig zuzuordnen.
Unter den drei vorgestellten Büchern liefert Linda Melvern sicherlich die genaueste Darstellung des Genozids in Ruanda. Ihre sachlich nüchterne Schreibe macht es dem jedoch manchmal schwer am Ball zu bleiben.
Dennoch ein äußert Lesenswertes Buch, wenn man sich dem Thema des Völkermords in Ruanda von der wissenschaftlichen Seite aus nähern möchte.

Der amerikanische Autor und Journalist Philip Gourevitch reiste erstmals im Mai 1995, also rund ein Jahr nach dem Genozid, nach Ruanda um sich selbst ein Bild von der Lage vor Ort zu machen und mit Augenzeugen zu sprechen. Nach einer drei Jahre dauernden Recherchearbeit veröffentlichte Gourevitch das Buch „Wir möchten Ihnen mitteilen, daß wir morgen mit unseren Familien umgebracht werden: Berichte aus Ruanda“. Die deutsche Übersetzung folge ein Jahr später. Gourevitch unternimmt in seinem Buch den Versuch einer Erklärung: hierfür beleuchtet er die historischen, sozioökonomischen, politischen, und ethnischen Gründe des Völkermords, schildert seine eigenen Eindrücke und die Berichte von Augenzeugen.
Ich möchte einige Zeilen daraus zitieren gleichzeitig darauf aufmerksam machen, dass es sich bei dem nun folgenden Zitat nicht um einen fiktiven Roman, sondern einen Tatsachenbericht handelt.

„Mindestens fünfzig weitgehend verweste Leichen bedeckten den Boden; sie waren mit Kleiderfetzen bedeckt, ihre Habe lag zerschlagen und durcheinandergeworfen herum. Abgeschlagene Schädel waren hierhin und dorthin gerollt. […] Sie rochen nicht. Keine Fliegen summten um sie herum. Sie waren vor dreizehn Monaten getötet worden, und man hatte sie nicht von der Stelle bewegt. An den Gebeinen hingen hier und da noch Hautfetzen, viele Knochen lagen von den Körpern entfernt, abgetrennt von den Mördern oder von Aasfressern – Vögeln, Hunden Käfern. […] Ich war niemals zuvor unter Toten gewesen. Was tun? Hinsehen?“ [Philip Gourevitch: Wir möchten Ihnen mitteilen, daß wir morgen mit unseren Familien umgebracht werden: Berichte aus Ruanda Berliner Taschenbuch Verlag GmbH, Berlin, 2008. S.19f.]

Wie schon bei dem Buch von Roméo Dallaire kann ich nur jedem ans Herz legen, dieses Buch zu lesen – weil es betroffen macht und wachrüttelt. Die Bestie „Völkermord“ ist nicht mit den Nazis 1945 besiegt worden. Es gibt sie noch immer und dieses mal hat die ganze Welt einfach nur zugesehen. Das sollte uns zu denken geben.

Roméo Dallaire wurde 1993 als Kommandant einer kleinen Truppe von UN-Blauhelmen (so werden die Friedenstruppen der Vereinten Nationen bisweilen genannt) nach Ruanda geschickt, um den wackeligen Frieden, der zu diesem Zeitpunkt in Ruanda zu vermeintlich herrschte, zu stabilisieren. In seinem Buch „Handschlag mit dem Teufel: Die Mitschuld der Weltgemeinschaft am Völkermord in Ruanda“ berichtet Romeo Dallaire sehr detailliert über die Ereignisse in Ruanda, vor, während und nach dem Massenmord, der 1994 von den Hutu an den Tutsi begangen wurde.

Hätte ich mich nicht aufgrund meines Geschichtsexamens mit diesem Thema befasst, hätte ich dieses Buch wohl in in die Hand genommen – nicht aus mangelndem Interesse an internationaler Politik, sondern aus dem Unwillen heraus, vermeintlich militärisches Buch zu lesen. Im nachhinein bin ich sehr froh, dieses Buch gelesen zu haben und ich kann nur jedem ans Herz legen, dieses Buch ebenfalls auf seine Leseliste zu setzten.

Zugegeben: Literaturwissenschaftlich betrachtet, ist dieses Buch kein Husarenstreich, aber schließlich ist Dallaire auch Soldat und kein Schriftsteller. Dennoch habe ich dieses rund 600 Seiten starke Buch kaum mehr aus der Hand legen mögen. Was mich daran so gefesselt hatte, waren mein wachsender Unglaube und mein zunehmendes Kopfschütteln über die Ignoranz der Vereinten Nationen, die dieses Massaker hätten verhindern können. Aber stattdessen haben sie weggesehen – und schlimmer noch: Als das Töten begann wurden die ohnehin schon wenigen vor Ort stationierten Soldaten, bis auf eine nicht nennenswerte Truppe von 270 Männern, aus Ruanda abgezogen. Die verbliebenen Soldaten hatten weder die Befugnis noch die Mittel um den Genozid zu verhindern. Immerhin 30.000 Menschen konnten Dallaire und seine Leute das Leben retten. Mindestens 1 Millionen Menschen ließ zwischen dem Beginn des Bürgerkrieges 1990 und dem Genozid 1994 ihr Leben. (siehe: )

Roméo Dallaires Augenzeugenbericht ist erschütternd. Seine Verzweiflung angesichts der Machtlosigkeit und der Ignoranz der westlichen Welt, die sich in diesem Buch widerspiegelt, ist nahezu greifbar. All das macht „Handschlag mit dem Teufel: Die Mitschuld der Weltgemeinschaft am Völkermord in Ruanda“ zu einem der traurigsten und zugleich besten Sachbüchern, die ich je gelesen habe.