Lass mal reden über ... Stereotypen im Ikea

Lass mal reden über … Stereotypen im Ikea

Ich gehe wirklich gerne einkaufen, insbesondere im Supermarkt und in der Drogerie. Hier kann ich stundenlang zwischen den Regalen umherstreifen und dabei nach Neuheiten oder Schnäppchen Ausschau halten. Aber Ikea ist und war mir schon immer ein Graus.

Daher reagiere ich auch zunächst verhalten, als der weltbeste Mann mich fragt, ob wir nicht am kommenden Wochenende zu Ikea fahren wollen, um schon mal nach Möbeln für die neue Wohnung zu schauen.

„Ich verstehe dich nicht“, sagt er, „es macht dir nichts aus stundenlang durch den Supermarkt zu rennen, aber bei Ikea bist du auf einmal ‚mimimi‘.“

Ja, im Supermarkt weiß ich ja auch ganz genau, was ich will und wo ich die Sachen finden kann. Aber in einem Möbelhaus wie Ikea ist das nicht so. Hier habe ich allenfalls eine wage Vorstellung von dem, was ich möchte und daher auch gar keine Ahnung, wo ich danach suchen soll. Ich bin sozusagen der sprichwörtliche „Opa-mit-Hut“. Ich möchte gemütlich durch die Ausstellung schlendern und mir dabei in Ruhe die einzelnen Möbel anschauen.
„Das will ich doch auch. Ich verstehe echt nicht, was dein Problem ist?“, fragt mein Mann. „Mein Problem sind die anderen Leute“, schimpfe ich. Bei Ikea ist man permanent von gestressten Menschen umgeben. Da sind beispielsweise die genervten Eltern, deren Kinder sich nicht im Småland zu „parken“ lassen wollten und die nun damit zu kämpfen haben den quengelnden Nachwuchs bei Laune zu halten. Oder die streitenden Pärchen, die lautstark darüber diskutieren, ob künftig „Billy“ oder „Hemmnes“ im Wohnheimzimmer stehen sollen. Und dann gibt es da noch den Einzelkämpfer, der eigentlich nur ein einziges Teil aus der Küchen- oder Dekoabteilung kaufen möchte. Trotzdem läuft er im Stechschritt durch die komplette Möbelausstellung anstatt direkt die Abkürzung in die Markthalle zu nehmen und jeder, der es wagt dem Einzelkämpfer in die Quere zu kommen, wird sofort mit einem entnervten Seufzer und bestraft.

„Du übertreibst maßlos“, sagt der weltbeste Mann lachend. „Gar nicht“, schmolle ich und berichte von einem Erlebnis, dass mir besonders lebhaft im Gedächtnis geblieben ist:

Ich stehe vor einem kleinen Schubladenschränkchen und überlege, ob es wohl in mein Wohnzimmer passen würde. Hinter mir taucht ein Pärchen auf. Sie: „Schatz guck mal, dass würde doch super ins Schlafzimmer passen.“ Er: „Ne, im Schafzimmer will ich was Vernünftiges, mit Schubladen die ein Softeinzug haben.“
Sie steht plötzlich unmittelbar neben mir, unsere Schultern berühren sich fast. Mit Schwung zieht sie eine der Schubladen auf, um sie gleich drauf mit dem gleichen Elan wieder zuzuschubsen. Lautlos gleitet die Schublade zurück. „Siehst du, Softeinzug.“ Er tritt nun ebenfalls näher an das Möbel heran und bleibt auf meiner anderen Seite stehen. Ich fühle mich langsam ein wenig bedrängt. Er zieht die Schublade auf und rüttelt daran. „Ja, aber guck dir doch mal die Verarbeitung an. Das ist doch alles nur billiger Pressspan.“ Sie, langsam lauter werdend: „Sag doch gleich, wenn du das nicht haben willst.“ Er: „Hab ich doch.“ Sie: „Nein, du hast nur gesagt, du willst was mit Softeinzug. Und das hat der Schrank.“ Er, mittlerweile genervt: „Ja, kann sein. Aber erstens gefällt mir die Verarbeitung nicht und außerdem finde ich, der passt nicht ins Wohnzimmer.“ Sie, schrill: „Ah ha, wirst du jetzt auf einmal zum Einrichtungsexperten?“ Er, wütend: „Ne, aber wir haben langsam echt genug Scheiß rumstehen.“
Oh ha denke ich, langsam wird es Zeit, meine unfreiwillige Stellung als Bollwerk aufzugeben. Ich ziehe den Kopf ein und ducke mich zwischen den beiden Streithähnen weg. Während ich langsam nach hinten ausweiche, gerate ich einem der bereits beschriebenen Einzelkämpfer in die Quere. Er faucht mich genervt an: „Keine Augen im Kopf oder was?“ und hetzt an mir vorbei.
Ich schaue im nach. Auch mir ist die Lust aufs Einkaufen inzwischen gehörig vergangen. Ich tue es dem Einzelkämpfer gleich und eile gestresst durch den Laden zum Ausgang. Dabei pöble ich nun selbst andere Besucher an, die es wagen mir im Weg zu stehen: „Keine Augen im Kopf oder was?“

Als ich mit meiner kleinen Geschichte ans Ende komme, lacht der weltbeste Mann erneut. „Und dabei hast du das wichtigste vergessen. Du hast keine Teelichter gekauft.“

P.S.: Fairerweise muss ich zugeben, dass unser diesmaliger Ikeabesuch sehr entspannt war und wir uns einfach von niemandem die gute Laune haben verderben lassen. Zu zweit lassen sich die Spleens der anderen eben viel einfacher weglachen.

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