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Lieblingsdings: Düsseldorfer Büchermeile

Drei mal im Jahr steht Düsseldorf ganz im Zeichen des gedruckten Wortes. Entlang der Rheinuferpromenade kann der lesefreudige Besucher der Düsseldorfer Büchermeile in unzählige Folianten blättern, schmökern und neuen Lesestoff erwerben.

Die Büchermeile zu verlassen ohne nicht mindestens ein Buch gekauft zu haben, ist für mich – egal wie sehr ich mich auch zusammenreiße – praktisch unmöglich. Meist schleppe ich sogar 3-7 Bücher nach Hause, sehr zum Unmut des weltbesten Freundes, der nicht müde wird zu betonen, dass der Bestand unseres Bücherregals bald eine kritische Masse erreichen und zu einem schwarzen Loch kollabieren wird, wenn ich nicht aufhöre ständig neue Bücher anzuschleppen.

Die nächsten Termine für die Büchermeile sind der 26./27. Juli 2014 und 20./21.September 2014

And the winner is….

And the winner is….

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Ich freue mich, dass einige Lesefreunde an der Lesefreude-Aktion teilgenommen haben, doch bevor ich nun zur großen Gewinnerziehung durch das Katzenorakel komme, möchte ich mich auch noch einmal ganz besonders bei allen bedanken, die mich bei der Aktion „Blogger schenken Lesefreude“ unterstützt haben! Vielen Dank an alle für’s teilen, liken und weitererzählen und natürlich auch einen besonderen Dank an das einzigartige Katzenorakel und den weltbesten Kamera-Chriz für das Filmen der Gewinnziehung!

*trommelwirbel* Nun wird das Katzenorakel seines Amtes walten und den Gewinner das Buches Der eiskalte Himmel ermittelt.

Herzlichen Glückwunsch, liebe Steffi und viele Spaß beim Lesen!!

♥♥ Anna Karenina ♥♥

Anna Karenina, russische Gesellschaftsepos von Lew Nikolajewitsch Tolstoi

Etwa vier lang Jahre stand dieses Buch in meinem Bücherregal. In dieser Zeit habe ich mehrere Anläufe unternommen es zu lesen – mit mäßigem Erfolg – wie ich leider zugeben muss. Nicht, dass mich der Umfang von 1204 Seiten schrecken würde, aber bei den vielen Personen, Handlungsstängen und Schicksalen, verliert man schnell den Überblick, wenn man nicht die Zeit hat das Buch in einem Rutsch zu lesen.
Daher freute es mich um so mehr, dass sich im vergangenen Jahr der Sender NDR Kultur und der Schauspieler Ulrich Noethen dieses Projektes annahmen und in wochenlanger Arbeit eine Hörbuchversion des russischen Klassikers aus dem Jahre 1877/78 produzierten. Das ungekürzte Hörbuch hat eine Spieldauer von sagenhaften 2.214 Minuten (das sind fast 37 Stunden!!!), die auf 30 CDs gebannt wurden.
Seitdem ich mir die mp3-Version des Höchbuchs zugelegt habe, höre ich es bei jeder Gelegenheit – beim Duschen, beim Essen, in der Mittagspause, beim Wäsche auffalten, beim Kochen …. usw. – und bin wirklich begeistert. Ein mal russischer Klassiker für to go, bitte – ich kann’s nur jedem empfehlen!

Zum Inhalt

Alle glücklichen Familien sind einander ähnlich; jede unglückliche Familie ist auf ihre Weise unglücklich.

Dieser Satz, mit dem das Romanepos Anna Karenina beginnt, wird später auch als das „Anna-Karenina-Prinzip“ rezipiert und von der Familienpsychologie auf andere Gesellschaftsbereiche (Evolution, Wirtschaftsleben und Projektmanagement) übertragen. [1] Dieses Prinzip besagt, dass eine Vielzahl an Bedingungen erfüllt seien müssen, damit ein Resultat „Glück“ überhaupt erfolgen kann. Solche „Glücksfaktoren“ können zum Beispiel sein: sexuelle Anziehung, Gesundheit, Geldfragen, Glaubenszugehörigkeit, Beruf, Kindererziehung, etc. Ist nur eine einzige dieser Bedingung nicht, oder nur zum Teil erfüllt, kann das Glück sehr leicht in „Unglück“ umschlagen.
Eben dieses Prinzip – das Ringen um Glück und Unglück – ist allen Figuren des Gesellschaftsromans Anna Karenina gemein. Der achteilige Romanerzählt die Geschichten dreier russischer Adelsfamilien: den Die Oblonskijs, den Karenins und den Wronskijs. Die Wege und Erlebnisse der Protagonisten kreuzen einander im Laufe der Romanhandlung auf unterschiedlichste Weisen. Menschen finden zusammen oder entfernen sich voneinander – ganz wie im Realen. Daher zeichnet Tolstois Roman nebenbei zugleich ein Bild der russischen Gesellschaft (maßgeblich der oberen Gesellschaftsschicht) im ausgehenden 19. Jahrhundert.

Zwei Dinge haben mich bei der Lektüre besonders überrascht. Zum einen die durchaus aufgeklärte Position Tolstois, die durch die Handlung hindurch schein, und die offensichtliche Zeitlosigkeit zwischenmenschlicher Beziehungen.

Lewin war seit drei Monaten verheiratet. Er war glücklich, aber nicht ganz so wie er erwartet hatte. Auf jedem Schritte begegnete er der Enttäuschung in früheren Träumen, doch auch neuen, unerwarteten Reizen. […] Als Junggeselle hatte er oft, auf das Eheleben mit seinen kleinlichen Sorgen, seinem Streit, seiner Eifersucht blickend, geringschätzig in seinem Innern gelächelt. In seinem künftigen Eheleben konnte nach seiner Überzeugung nicht nur nichts Ähnliches existieren […]. Plötzlich aber hatte sich anstatt dessen auch sein Leben mit seinem Weibe nicht nur nicht besonders gestaltet, sondern sich im Gegenteil, gerade aus all jenen kleinlichsten Kleinigkeiten zusammengesetzt, die er vordem so sehr verachtet hatte, die aber jetzt, gegen seinen Willen, eine ungewöhnliche und unabweisbare Bedeutung erhalten hatten.

Na, wem von euch kommt das bekannt vor?
Viele der diskutierten Themen sind gar nicht weit von unserem heutigen Alltag entfernt, obwohl das von Tolstoi dargestellte Gesellschaftspanorama schon rund 136 Jahre her ist. Liebe, Bezeihungen, Familie, Trauer, Tod, Verlust – eben alles, was eine gute Geschichte ausmacht. In diesem Sinne noch mal einen großen Dank an NDR Kultur, die sich der Vertonung dieses Wälzers gestellt haben. Andernfalls hätte Tolstoi wohl noch bis zur Rente ein paar Jahre auf mich warten müssen…
Anna Karenina ein absolut lesens- oder hörenswertes Buch!!

[1] Vgl. Jared Diamond: Arm und Reich. Die Schicksale menschlicher Gesellschaften. Fischer-Taschenbuch-Verlag, Frankfurt am Main 2002.

Es gibt Bücher, die nicht durch große und spektakuläre Geschichten überzeugen, vielmehr sind es die kleinen Dinge, die manchen Erzählungen ihren ganz besonderen Charme verleihen: Eine besondere Sprachmelodie, die Bilder, die eine Geschichte zeichnet, ihre Ästhetik, durch die sie den Leser ihren Bann zieht… eben eine scheinbar so außergewöhnliche Erhabenheit, dass Mann das Buch kaum aus der Hand legen mag.

Meine ganz persönliche Top 4 dieser Bücher:

1. Die unerträgliche Leichtigkeit des Seins
Veröffentlicht: 1984
Autor: Milan Kundera

Dieser Roman des tschechischen Autors Milan Kundera handelt von dem Prager Chirurg Tomas und der Serviererin Teresa, einem ungleichen Paar, dass sich während des kalten Krieges kennen und lieben lernt und dessen Beziehung unglückseliger kaum sein könnte. Dennoch oder gerade vielleicht aufgrund ihrer, von Schmerz und Enttäuschung geprägten und immer wider erschütterten Liebe, bilden Tomas und Teresa eine Einheit, die trotz Tomas‘ Affären und der für Teresa bisweilen unerträglichen Leichtigkeit des Seins Bestand hält.

Ein absolut lesenswertes Buch, dass nicht nur eine ungewöhnliche Liebesgeschichte beschreibt, sondern dem Leser gleichzeitig einen geschichtlichen Einblick in die Irrungen des kalten Krieges zur Zeit des Prager Frühlings (1968) vermittelt.

2. Die Eleganz des Igels
Veröffentlicht: 2006
Autorin: Muriel Barbery

Die 54-jährige Renée liebt ihren Kater Leo Tolstoi, benannt nach dem gleichnamigen russischen Schriftsteller aus dessen Feder unter anderem die Klassiker und Weltbestseller „Anna Karenina“ (1877) oder „Krieg und Frieden“ (1869) stammen. Sie lebt und arbeitet seit 27 Jahren als Concierge in der Rue de Grenelle 7 in Paris. Renée ist alles andere als dumm, gleichwohl gibt sie sich alle Mühe, auf ihre Umwelt einfältig und uninteressant zu wirken, damit sie weitgehend in Ruhe gelassen wird. Positiver Nebeneffekt: Sie kann meist ungestört ihrem liebsten Hobby nachgehen: dem Lesen. Im selben Haus wohnt auch die zwölfjährige Paloma. Obwohl das Mädchen aus guten Hause stammt und einer wohlhabenden und gebildeten Pariser Familie angehört, fühlt sie sich missverstanden und hält die Welt der Erwachsenen für verlogen und oberflächlich. Nein, mit dieser Welt möchte Paloma nichts zu tun haben und fasst daher den festen Vorsatz sich an ihrem 13. Geburtstag das Leben zu nehmen. Die Wende im Leben dieser beiden einsamen Frauenfiguren bringt der der japanische Geschäftsmann Kakuro Ozu, der eines Tages ebenfalls in das Haus in der Rue de Grenelle 7 einzieht. Ihm gelingt es Renée und Paloma auf ihren Schneckenhäusern zu holen. Ende Gut – alles gut?!
Die Antwort findet ihr in diesem wunderbaren Buch von der französischen Autorin Muriel Barbery

3. Wie wir verschwinden
Veröffentlicht: 2009
Autor: Mirko Bonné

Ich gestehe es: selten hat mit ein Schriftsteller so mit seiner Schreibe begeistert und gefesselt, wie der, in Hamburg lebende Schriftsteller Mirko Bonné. Der Roman Wie wir verschwinden ist eine wundervoll melancholische Geschichte von Erinnerung, Freundschaft und Vergessen, zugleich eine Hommage an den Franzosen Albert Camus – einem der wohl bedeutendsten Autoren des 20. Jahrhunderts. Bonné erzählt die Geschichte einer Freundschaft, beseelt und beflügelt vom Wunsch des Verschwindens in ein neues Leben, die just an dem Tag ein Ende findet, an dem auch Camus sein Leben bei einem Autounfall verliert.
Ein wirklich großartiger Roman – unbedingt lesen!


4. Die Aufzeichnungen des Malte Laurids Brigge
Veröffentlicht: 1910
Autor: Rainer Maria Rilke

Der Roman Die Aufzeichnungen des Malte Laurids Brigge ist der einzige Roman des Dichters Rainer Maria Rilke. Das Besondere: Es handelt sich nicht um eine durchgehende Handlung, sondern um einen Tagebuchroman, der sich durch eine bruchstückhafte Aneinanderreihung von Erinnerungen, Einrücken und Reflexionen des Protagonisten Malte Laurids Brigge auszeichnet. Brigge ist 28 Jahre, stammt aus einer dänischen Adelsfamile und hält sich gegenwärtig in Paris auf. Hier lernt er sehen, sagt der Protagonist über Paris. Die Stadt überflutet ihn mit Sinneseindrücken. Er lässt es geschehen – beobachtet und dokumentiert bloß bruchstückhaft seine Eindrücke.
Rilkes Roman thematisiert die komplexen Anforderungen, denen ein Individuums in der Moderne gerecht zu werden versucht: Es geht um Vergangenheit, Fortschritt, Tod und Verfall, Liebe und Religion.

Ich will ehrlich sein: Während der Lektüre habe ich dieses Buch geHASST, diesen weinerlichen, sensiblen Brigge verflucht und dennoch das Buch kaum aus der Hand gelegt. Doch nachdem ich die letzten Zeilen gelesen, das Buch zugeschlagen und meinerseits das Gelesene reflektiert hatte, stellte ich fest, dass ein großes Stück – also eines Individuum in der Realität einer Großstadt, angesichts der Anordnung der Modere – tatsächlich auch in mir steckt.