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It’s Schiller-Time again: „Maria Stuart“

„Wähhhh, schon wieder Schiller?! Was hat sie bloß immer mit diesem ollen, verstaubten Dichter?“

In diesem Punkt wiederhole ich mich gerne: War halt ne coole Sau, der olle Schiller und hat zudem verdammt gute Texte geschrieben, wie zum Beispiel das Drama Maria Stuart.

Für sein Trauerspiel Maria Stuart nimmt sich Schiller der Biographie der historischen Maria Stuart (Königin von Schottland von Dezember 1542 bis Juli 1567) an, weicht dabei allerdings in einigen Punkten von der wahren Geschichte der Stuart ab. Nicht etwa, weil er die Geschichtsbücher nicht gründlich genug gelesen hätte, sondern weil er bei seiner Adaption des Stoffes einen Punkt im Besondern zu illustrieren sucht:
Die Unvereinbarkeit von Macht und Moral!

Bevor ich diese These weiter ausführe kurz zum Handlungsplot:

Die Vorgeschichte:
Nach der Ermordung ihres Ehemanns. dem König von Schottland, sieht Maria sich gezwungen das Land zu verlassen und flieht nach England, wo sie sich von der dortigen Regentin Königin Elisabeth I. Zuflucht und Schutz sucht. Diese fühlt sich jedoch durch die Anwesenheit Marias bedroht, da diese ebenfalls Ansprüche auf den englischen Thron hat. Kurzerhand lässt sie die flüchtige schottische Königen gefangen nehmen und im Schloss einsperren.

Die Handlung
19 Jahre später, drei Tage vor der geplanten Hinrichtung der Stuart steht die eigentliche Dramenhandlung ein. Immer wieder, während ihrer Gefangenschaft, hatten junge Männer versucht die bildschöne Königen von Schottland zu befreien. Auch der junge Mortimer ist der Schönheit der Stuart verfallen und setzt nun alles daran, sie vor der drohenden Hinrichtung zu retten. Zum Schein nimmt er den Auftrag Elisabeths an, die schottische Königin zu ermorden, weiht jedoch den Grafen von Leicester in seinen Plan ein.
Leicester, der selbst heimlich der Stuart verfallen, zugleich jedoch Elisabeths Liebhaber ist, versucht seinerseits die Stuart zu retten, indem er ein Treffen der beiden Regentinnen arrangiert. Seine Hoffnung, ein persönliches Gespräch der beiden Königinnen würde bei Elisabeth Mitleid für die Konkurrentin erwecken und so drohendes Unheil abwenden, schlägt kolossal fehl.
Statt Mitgefühl zu entwickeln, nutzt Elisabeth die Gelegenheit die Stuart noch mehr zu demütigen: Eine Heulern sei sie, die alle Männer die ihren Weg kreuzten auf die eine oder andere Weise ins verderben stürzte. Tief gekränkt von dieser Behauptung geht die Stuart nun ebenfalls zum Angriff über:

V. 2447ff:
Der Thron von England ist durch einen Bastard
Entweiht, der Briten edelherzig Volk
Durch eine listige Gauklerin betrogen.
– Regierte Recht, so lägt ihr vor mir
Im Staube jetzt, denn ich bin Euer König.

Nach diesem Zusammentreffen sind die beiden Rivalinnen endgültig zu keiner friedfertigen Einigung mehr bereit. Auch Mortimers Plan misslingt: Es gelingt im weder die eine Königin – Maria – zu retten, noch die andere Königin – Elisabeth – zu ermorden. Voller Verzweiflung ersticht Sicht der vermeintliche Retter.
Elisabeth kommt zu dem Schluss, dass nur die Hinrichtung der Stuart jegliche Zweifel an ihrem rechtmäßigen Anspruch auf die Krone Englands endgültig aus dem Weg räumen kann und unterzeichnet das Hinrichtungsurteil. Die Schuld am Tod der schottischen Königen will sie hingegen nicht übernehmen und übergibt ihrem Staatssekretär das unterschriebene Dokument ohne klar zu formulieren, was damit geschehen soll. Am Ende wird die Stuart hingerichtet, doch auch Elisabeth, die alle ihre Berater verliert, steht allein am Ende des Stückes.

Nach diesem kleinen inhaltlichen Exkurs komme ich nun wieder auf meine Ausgangsthese zurück: Schiller illustriert in Maria Stuart die Unvereinbarkeit von Macht und Moral. (Keine Angst, dies soll keine komplette literaturwissenschaftliche Ausarbeitung werden.)

Beide Königinnen haben theoretisch Anspruch auf den Thron von England. sind nicht in der Lage die beiden Pole Macht und Moral in sich zu vereinen.

Elisabeth, die Königin Englands ist, permanent darum bemüht, ihre machtvolle Position zu sichern. Für die Erhaltung ihres Machtanspruches muss sie allerdings einen hohen Preis bezahlen. Sie muss ihrer Rolle als Frau entsagen, um sich in der patriarchalischen Welt der Männer, die von Intrige, Krieg und Gewalt bestimmt ist, behaupten zu können. Sie ist zudem dem Willen des Volkes unterworfen. Dies mag paradox klingen, lässt sich aber dadurch erklären, dass Ihr Thronanspruch deshalb fragwürdig ist, da sie nur eine uneheliche, aus einer Affäre des Königs hervorgegangene Tochter ist. Damit das Volk ihren Anspruch nicht weiter hinterfragt ist sie permanent versucht, sich dessen Gunst zu sichern, auch wenn ihre eigenen Interessen nicht mit denen des Volkes konform sind.
Des Weiteren hat sie sich mit dem Parlament abzustimmen und ist somit ständig der Beeinflussung durch Männer ausgesetzt, die aber ihrerseits auch nur oder zumindest hauptsächlich ihre eigenen Interessen im Blick haben. In diesem Spannungsfeld ist für Moral kein Platz. Elisabeth ist aber in ihrem Handeln dermaßen an das Rollenspiel als Regentin gebunden, dass sie, wenn sie ihre Macht erhalten will, nicht moralisch Handeln kann, sondern nur aus Kalkül. Zumal die Königin in ihren Entscheidungen keinesfalls autonom ist. Sie ist frei und gleichzeitig unfrei – da sie, gebunden an die Gunst des Volks – dessen Willkür ausgeliefert ist.

Maria hingegen ist bestimmt von ihren Affekten und Lüsten. Diese sind dafür verantwortlich, dass sie als Regentin und als Liebende gefehlt hat und zudem Ursache ihrer Gefangenschaft und der drohenden Hinrichtung. Dennoch ist Maria, obschon sie zur Zeit der Dramenhandlung in Haft ist, nicht ohne Macht. Zwar ist sie aufgrund ihrer Internierung politisch Handlungsunfähig, vermag es jedoch Kraft ihrer Schönheit und Weiblichkeit auch aus dem Gefängnis heraus, die Männer in ihrem Umfeld derart erotisch zu fesseln, dass diese zu ihren Gunsten handeln. Allerdings kann sie die Handlungen ihrer Verbündeten nicht beeinflussen und ist somit deren Konsequenzen auch hilflos ausgeliefert.

Am Ende verlieren beide Frauen. Maria ihr Leben und Elisabeth die Gunst ihrer Berater und des Volkes.

Typisch Schiller halt: Die Geschichte endet in einer Katastrophe und der Zuschauer soll was daraus lernen. ^^ Bei mir hat’s funktioniert. Wie sieht’s bei euch auch?

P.S. Falls sich jemand für die wissenschaftliche Beweisführung im Detail interessiert, der möge mich einfach danach fragen.