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Klappentext:
Nach rund einem Jahrzehnt investigativer Recherche in Kigali, Paris, New York und Brüssel deckt Linda Melvern die Rollen von Vertretern der Vereinten Nationen, wie Boutros Boutros-Ghali oder Kofi Annan, auf und klagt die beteiligten westlichen Institutionen der Komplizenschaft an. Laut ihren Unterlagen bildete das französische Militär die Killer aus. Die USA halten bis heute Abhör- und Satellitenbeweise zurück. Die britische Regierung ignorierte sichere Warnungen, nach denen der Völkermord geplant wurde. Auch die belgische und die französische Regierung waren bereits über die Vorbereitungen informiert. Und der UN-Sicherheitsrat entschied in beschämender Weise, die Friedenstruppen aus Ruanda zu verlegen, obwohl der Völkermord sich abzeichnete. Neben den offiziellen Dokumenten bezieht sich Melvern auf Dutzende Zeugenaussagen vor dem Internationalen Strafgerichtshof für Ruanda sowie auf das bisher unveröffentlichte Geständnis des damaligen ruandischen Premierministers. Darüber hinaus interviewte sie selbst zahlreiche Überlebende. Ein einzigartiges Buch über das Versagen der UN, die einst mit dem Ziel gegründet wurden, Völkermorde zu verhindern.

 

Alle Fakten, die Linda Melvern in ihrem Buch „Ruanda – Der Völkermord und die Beteiligung der westlichen Welt“ zusammenträgt, wurden von der britischen Journalistin über mehrere Jahre genauestes recherchiert, geprüft und gelegt. Sie liefert damit eine recht umfassende Darstellung der Ereignisse, die 1994 letztlich zum Genozid in Ruanda führten. Ein Zeittafel die vom Beginn des 16. Jahrhunderts bis in die 1990’er Jahre reicht, ordnen den Völkermord in seinen historischen Zusammenhang ein. Das beigefügte Kartenmaterial, so wie ein Personenregister helfen dem Leser zudem die geschilderten Geschehnisse nachzuvollziehen und genannte Personen richtig zuzuordnen.
Unter den drei vorgestellten Büchern liefert Linda Melvern sicherlich die genaueste Darstellung des Genozids in Ruanda. Ihre sachlich nüchterne Schreibe macht es dem jedoch manchmal schwer am Ball zu bleiben.
Dennoch ein äußert Lesenswertes Buch, wenn man sich dem Thema des Völkermords in Ruanda von der wissenschaftlichen Seite aus nähern möchte.

Lasst uns über Ruanda reden

Im Osten Afrikas liegt, in der Mitte zwischen Burundi, der Demokratischen Republik Kongo, Uganda und Tansania, das kleine, aber dicht besiedelte Land Ruanda. Ruanda zählt zu den ärmsten Ländern Afrikas, der sogenannte „Human Development Index“ – ein von den Vereinten Nationen jährlich bestimmter Wohlstandsindex für Länder – liegt in Ruanda lediglich bei 0,434. Zum Vergleich: In Deutschland liegt er dagegen bei 0.920, in Norwegen sogar bei 0.955. (Für Interessierte: Hier findet ihr den „Human Development Report 2013“)

Warum ich ausgerechnet über Ruanda schreibe?! Vor einigen Jahren hatte ich mich im Rahmen meines Geschichtsexamens eingehender mit Ruanda, vor allen Dingen unter dem Gesichtspunkt des Völkermords 1994, befassen müssen. Ein unschönes Thema, zugegeben, eins über das man vielleicht gar nicht unbedingt mehr wissen will. Dennoch möchte ich euch in den folgenden Wochen ein paar Bücher über den Genozid in Ruanda ans Herz legen, die ich seinerzeit gelesen habe und die mir nachhaltig in Erinnerung geblieben sind.

Das Thema „Völkermord“ ist nicht mit den Nazis 1945 untergegangen. Damals haben alle weggesehen. Anschließend hat man sich geschworen, so etwas dürfe nie wieder geschehen.
1994 in Ruanda haben alle hingesehen – passiert ist der Genozid trotzdem – was es in meinen Augen fast noch schlimmer macht.

Bücher über Ruanda
Wie es dazu kommen konnte, könnt ihr in den folgenden Büchern genauer nachlesen:

„Handschlag mit dem Teufel: Die Mitschuld der Weltgemeinschaft am Völkermord in Ruanda“ von Romeo Dallaire
„Wir möchten Ihnen mitteilen, daß wir morgen mit unseren Familien umgebracht werden: Berichte aus Ruanda“von Philip Gourevitch
„Ruanda – Der Völkermord und die Beteiligung der westlichen Welt“ von Linda Melvern