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Roméo Dallaire wurde 1993 als Kommandant einer kleinen Truppe von UN-Blauhelmen (so werden die Friedenstruppen der Vereinten Nationen bisweilen genannt) nach Ruanda geschickt, um den wackeligen Frieden, der zu diesem Zeitpunkt in Ruanda zu vermeintlich herrschte, zu stabilisieren. In seinem Buch „Handschlag mit dem Teufel: Die Mitschuld der Weltgemeinschaft am Völkermord in Ruanda“ berichtet Romeo Dallaire sehr detailliert über die Ereignisse in Ruanda, vor, während und nach dem Massenmord, der 1994 von den Hutu an den Tutsi begangen wurde.

Hätte ich mich nicht aufgrund meines Geschichtsexamens mit diesem Thema befasst, hätte ich dieses Buch wohl in in die Hand genommen – nicht aus mangelndem Interesse an internationaler Politik, sondern aus dem Unwillen heraus, vermeintlich militärisches Buch zu lesen. Im nachhinein bin ich sehr froh, dieses Buch gelesen zu haben und ich kann nur jedem ans Herz legen, dieses Buch ebenfalls auf seine Leseliste zu setzten.

Zugegeben: Literaturwissenschaftlich betrachtet, ist dieses Buch kein Husarenstreich, aber schließlich ist Dallaire auch Soldat und kein Schriftsteller. Dennoch habe ich dieses rund 600 Seiten starke Buch kaum mehr aus der Hand legen mögen. Was mich daran so gefesselt hatte, waren mein wachsender Unglaube und mein zunehmendes Kopfschütteln über die Ignoranz der Vereinten Nationen, die dieses Massaker hätten verhindern können. Aber stattdessen haben sie weggesehen – und schlimmer noch: Als das Töten begann wurden die ohnehin schon wenigen vor Ort stationierten Soldaten, bis auf eine nicht nennenswerte Truppe von 270 Männern, aus Ruanda abgezogen. Die verbliebenen Soldaten hatten weder die Befugnis noch die Mittel um den Genozid zu verhindern. Immerhin 30.000 Menschen konnten Dallaire und seine Leute das Leben retten. Mindestens 1 Millionen Menschen ließ zwischen dem Beginn des Bürgerkrieges 1990 und dem Genozid 1994 ihr Leben. (siehe: )

Roméo Dallaires Augenzeugenbericht ist erschütternd. Seine Verzweiflung angesichts der Machtlosigkeit und der Ignoranz der westlichen Welt, die sich in diesem Buch widerspiegelt, ist nahezu greifbar. All das macht „Handschlag mit dem Teufel: Die Mitschuld der Weltgemeinschaft am Völkermord in Ruanda“ zu einem der traurigsten und zugleich besten Sachbüchern, die ich je gelesen habe.

Lasst uns über Ruanda reden

Im Osten Afrikas liegt, in der Mitte zwischen Burundi, der Demokratischen Republik Kongo, Uganda und Tansania, das kleine, aber dicht besiedelte Land Ruanda. Ruanda zählt zu den ärmsten Ländern Afrikas, der sogenannte „Human Development Index“ – ein von den Vereinten Nationen jährlich bestimmter Wohlstandsindex für Länder – liegt in Ruanda lediglich bei 0,434. Zum Vergleich: In Deutschland liegt er dagegen bei 0.920, in Norwegen sogar bei 0.955. (Für Interessierte: Hier findet ihr den „Human Development Report 2013“)

Warum ich ausgerechnet über Ruanda schreibe?! Vor einigen Jahren hatte ich mich im Rahmen meines Geschichtsexamens eingehender mit Ruanda, vor allen Dingen unter dem Gesichtspunkt des Völkermords 1994, befassen müssen. Ein unschönes Thema, zugegeben, eins über das man vielleicht gar nicht unbedingt mehr wissen will. Dennoch möchte ich euch in den folgenden Wochen ein paar Bücher über den Genozid in Ruanda ans Herz legen, die ich seinerzeit gelesen habe und die mir nachhaltig in Erinnerung geblieben sind.

Das Thema „Völkermord“ ist nicht mit den Nazis 1945 untergegangen. Damals haben alle weggesehen. Anschließend hat man sich geschworen, so etwas dürfe nie wieder geschehen.
1994 in Ruanda haben alle hingesehen – passiert ist der Genozid trotzdem – was es in meinen Augen fast noch schlimmer macht.

Bücher über Ruanda
Wie es dazu kommen konnte, könnt ihr in den folgenden Büchern genauer nachlesen:

„Handschlag mit dem Teufel: Die Mitschuld der Weltgemeinschaft am Völkermord in Ruanda“ von Romeo Dallaire
„Wir möchten Ihnen mitteilen, daß wir morgen mit unseren Familien umgebracht werden: Berichte aus Ruanda“von Philip Gourevitch
„Ruanda – Der Völkermord und die Beteiligung der westlichen Welt“ von Linda Melvern