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Auch das Schöne muss Sterben!

Getrost nach diesem Zitat aus Schillers Gedicht Nänie, scheint Friedrich Schiller seine Dramen konzipiert zu haben, denn fast alle seiner Helden finden durch einen, meist gewaltsamen Tod, ihr jähes Ende. Nach Schillers eigener philosophischer Ästhetik ist dies nur konsequent, denn für einen wahren Helden – eine so genannte „schöne Seele“ – ist die Welt eben noch nicht reif. Nur mit dem gleichnamigen Helden seines Dramas „Wilhelm Tell“, geht etwas versöhnlicher um. Tell darf leben. Ganz anders ergeht es seinem literarischen Schöpfer, der nur sechzehn Monate nach Fertigstellung des Tells, (am † 9. Mai 1805 ), das Zeitliche segnet. Die Todesursache? Höchstwahrscheinlich eine schwere Tuberkulose. Wäre Schiller, nicht nur seinem Andenken nach, sondern auch physisch unsterblich gewesen, so feierte er dieses Jahr seinen 255sten Geburtstag – vermutlich mit einer rauschenden Party. Sein Kumpel Goethe müsste dieses Jahr bereits 265 Kerzen auf der Geburtstagstorte unterbringen – der war nämlich genau 10 Jahre älter als Schiller.

Geboren wird Schiller übrigens (am 10. November 1759) in Marbach am Neckar, im schönen Schwabenländle. Doch in Schwaben ist man seinerzeit sehr konservativ – zu konservativ für den jungen Arzt und Dichter Friedrich Schiller. Aufgrund einiger vorangegangener Querelen droht ihm der damalige Herzog von Württemberg Carl Eugen mit Festungshaft, falls Schiller noch einmal ohne offizielle Genehmigung das Land verlasse. Zudem – und noch schlimmer für den jungen Dichter – wird ihm die nicht-wissenschaftliche Schriftstellerei verboten. In der Nacht vom 22. auf den 23. September 1782 flieht Schiller gemeinsam mit seinem Freund Andreas Streicher nach Mannheim, was damals dem Kurfürst Carl Philipp unterstellt ist. Ein Überbleibsel der Württemberger-Jahre: Schillers schwäbischer Akzent, der so ausgeprägt ist, dass er beinahe die Aufführung eines seiner Theaterstücke verhindert hätte. Sein Freund Streicher berichtet in seinem Buch [1] über die gemeinsame Zeit mit Schiller:

Nach seiner eigenen Lektüre des Textes revidierte der Regisseur Wilhelm Christian Meyer, von dem dieses vernichtende Urteil stammt, seine Meinung und der der Fiesco konnte aufgeführt werden.

Ein Kind von Traurigkeit war Schiller sicher nicht. Zeitzeugen berichten er habe eine Schwäche für Tabak, Wein und schöne Frauen gehabt. Auch mit Goethe, mit dem ihn seit einem Gespräch über dessen Theorie zur Urpflanze (1794) eine enge Freundschaft verbindet, wird Schiller wohl den einen oder anderen „guten Tropfen“ verkostet haben.

Am 2. Februar 1800 schreibt Goethe an Schiller

Wollten Sie wohl die Güte haben mir eine Flasche von dem rothen Wein zu schicken, welchen Herr Zapf übersendet hat. Dabei bitte ich mich zu benachrichtigen ob ich heute Abend das Vergnügen haben werde Sie bei mir zu sehen, wie ich es wünsche.
G.

Schiller antwortet noch am selben Tag:

Es ist ein weißer und kein rother Wein von dem ich Ihnen gestern sprach.
Ich werde mich heut Abend einstellen. […]
Leben Sie recht wohl.
S.

Im Gegensatz zu Goethe, dem ein für damalige Verhältnisse außerordentlich langes Leben vergönnt ist, stirbt Schiller bereits im Alter von 45 Jahren.
Seine Leiche wird zunächst in einem Gemeinschaftsgrab beigesetzt. Semi-Clever und höchst verwunderlich, wenn man sich Schillers Bekanntheitsgrad vor Augen führt. Dieser Gedanke kommt Schillers Zeitgenossen erst im Jahr 1826. Schillers Gebeine sollen geborgen, dann zunächst in die Herzogin Anna Amalia Bibliothek und später in ein Einzelgrab überführt werden. Das Problem an der Sache: Es lässt sich zu diesem Zeitpunkt nur noch mutmaßen, welche Knochen die wahren sterblichen Überrechte des Dichters sind. Wem der Schädel, den Goethe einige Zeit später aus Herzogin Anna Amalia Bibliothek mitgehen lässt, also wirklich geröhrte – Nobody knows!

Ist ja aber eigentlich auch egal. Unterm Strich lässt sich festhalten:
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Schiller war ne coole Sau, ein brillanter Dichter (wenngleich mit einem fürchterlichen Akzent) und irgendwie auch ein bisschen irre – aber das gehört beim Dichten wahrscheinlich dazu.

[1] Andreas Streicher: Schiller’s Flucht von Stuttgart und Aufenthalt in Mannheim von 1782 bis 1785. Stuttgart und Augsburg, Verlag der J. B. Metzler’schen Buchhandlung. 1836.

(Bild:  CC BY-ND 4.0 / Weihnachtszeit in Weimar – Christmas time in Weimar/germany von Jorbasa auf Flickr)