Teddybär mit Pflaster

Lass mal reden… über die Glaubwürdigkeit von Jameda & Co

Kann ich als Patient den Bewertungen auf dem bekannten Ärzteportal Jameda wirklich noch trauen? Mit dieser Frage wurde ich vor einigen Wochen unfreiwillig konfrontiert. 

Aber der Reihe nach: Um mir zu einer Diagnose eine zweite Meinung einzuholen, suchte ich im vergangen Jahr einen Arzt auf, den ich bis dato noch nicht kannte. Ich war über Jameda auf die Praxis aufmerksam geworden: Über 200 Bewertungen bei einer Gesamtnote von 1,1 und dazu noch eine schnelle Terminvergabe, das klang absolut perfekt. 

Warum wir mehr auf unser Bauchgefühl vertrauen sollten

Die Ernüchterung stellte sich allerdings schon nach meinem ersten Besuch in der Praxis ein. Der Arzt, ein älterer Herr, war mir von Anfang auf eine Weise unsympathisch, die ich nur schwer in Worte fassen kann. Anstatt mir das Gefühl zu geben, dass er sich für meinen Fall interessierte, beklagte er sich bei mir über den vielen Schreibkram, den er zu bewältigen habe und berichtete mir stolz von den High-Society-Partys, bei denen er und seine Frau früher regelmäßig zu Gast gewesen seien.

Was dagegen seine Diagnose zu meinem Fall anging, die warf er mir in einem schlichten Nebensatz hin. „Das ist doch ganz klar was ihr Problem ist. Hier haben Sie Tabletten dagegen. Damit wird’s wieder.“

Tabletten? Das sollte also des Rätsels simple Lösung sein?! Auch das erschien mir fragwürdig.

Trotzdem ignorierte ich mein schlechtes Bauchgefühl zunächst. Schließlich hatte der Mann langjährige Berufserfahrung und bestimmt schon öfter Fälle wie meinen behandelt. 

Wie sich später herausstellte, sollte mein Bauchgefühl jedoch recht behalten: Sowohl die Diagnose als auch die vorgeschlagene Therapie waren nicht nur ungeeignet, sie hätten sogar massive Spätfolgen für mich haben können, wenn nicht der weltbeste Ehemann interveniert und mich dazu gedrängt hätte, mir noch eine dritte Meinung einzuholen. 

Der Ärger mit Jameda

Etwa ein dreiviertel Jahr nach dieser negativen Erfahrung hinterließ ich eine kritische Bewertung auf Jameda. Kaum eine Woche später bekam ich eine E-Mail aus dem Qualitätsmanagement des Bewertungsportals. 

Der von mir kritisierte Arzt hatte – nicht gerade sachlich – Beschwerde gegen die Bewertung eingelegt. Und nun sollte ich gegenüber Jameda anhand von Belegen meiner Krankenkasse und einer detaillierten Beschreibung der Räumlichkeiten beweisen, dass ich wirklich in der Praxis gewesen sei und Stellung zu den Vorwürfen des Arztes beziehen.

Meine erste Reaktion war Unglaube. „Bitte was sollte ich tun?“ Meine zweite Wut. „Ich glaub ich spinne! Das ist doch Sinn und Zweck, von Bewertungsplattformen, dass man seine Erfahrungen mit anderen Patient*innen teilt.“ Zu guter Letzt gewann jedoch mein Stolz die Oberhand und ich dachte: „Denen werde ich es zeigen!“

Ich ließ mir von meiner Krankenkasse eine Patientenquittung für den fraglichen Zeitpunkt ausstellen, mit der ich zweifelsfrei meinen Besuch in der Praxis belegen konnte. Außerdem Ich ging ausführlich auf die Vorwürfe des Arztes ein und beschrieb detailliert die Räumlichkeiten.

In den folgenden drei Wochen hörte ich nichts mehr von dem Bewertungsportal, bis mich, am 20. August 2019 schließlich diese Mail erreichte: 

Liebe Nutzerin, lieber Nutzer,

vielen Dank für Ihre Rückantwort. Leider konnten wir auch nach Abschluss der Prüfung Ihrer Bewertung nicht alle Bedenken ausräumen. Das kann zwei Gründe haben: Entweder entspricht Ihre Bewertung nicht den Nutzungsrichtlinien oder die Bewertung enthält Passagen, die im Falle einer juristischen Überprüfung nicht zu beweisen sind.
Nach Abwägung der uns vorliegenden Informationen haben wir uns deshalb dazu entschlossen, Ihre Bewertung nicht wieder zu veröffentlichen.
Wir bedauern diesen Einzelfall und hoffen, dass Sie trotzdem weiterhin Ihre persönlichen Patienten-Erfahrungen auf unserem Portal schildern.
Mit freundlichen Grüßen

Ihr jameda Team

Onlinerepuationsmanagement und was Jameda eigentlich sagen will

Ich arbeite selbst im Digitalmarketing und kenne mich mit Onlinereputationsmanagement aus, daher weiß ich auch, was die Metabotschaft dieser nüchternen Mail ist:

Lieber Nutzer,
wie nett, dass Sie mit Ihrer Bewertung für Traffic auf unserer Plattform gesorgt haben. Leider bringen Sie uns dadurch kein Geld ein, ganz im Gegenteil zu dem, von Ihnen bewerteten, Arzt. Der ist nämlich Premiumnutzer und zahlt für seinen Account. Und natürlich wollen wir einen guten Kunden nicht verprellen. Außerdem haben wir keine Lust auf einen weiteren Rechtsstreit und negative Presse. Deswegen löschen wir Ihre Bewertung. 

Mit freundlichen Grüßen
Ihr jameda Team

P.S.: Natürlich schicken wir Ihnen diese E-Mail von einer No-Repley-Adresse, so dass sie auf gar keinen Fall die Chance haben, sich bei uns zu beschweren. 

Mein Fazit

Was mich wieder zu meiner Eingangsfrage bringt: Helfen mir Jameda (und andere Bewertungsportale) wirklich bei der Suche nach einem guten Arzt?! 

Eine Datenanalyse der ZEIT kommt zu dem Ergebnis, dass Ärzte mit einem Premium-Account durchschnittlich bessere Bewertungen haben.
Wen es wundert? Mich jedenfalls nicht. Ich verlasse mich in Zukunft bei der Ärztewahl auf persönliche Empfehlungen und auf mein Bauchgefühl.

2 thoughts to “Lass mal reden… über die Glaubwürdigkeit von Jameda & Co”

  1. Liebe Katharina,

    vielen Dank für dein Feedback.

    Es tut uns leid, dass wir deine Bewertung nicht erhalten konnten.

    Von deiner Behauptung, dass wir deine Bewertung gelöscht haben, weil der Arzt ein Premium-Profil hat, möchten wir uns allerdings deutlich distanzieren. Bewertungen haben nichts mit dem Kundenstatus eines Arztes zu tun. Meldet ein Arzt eine Bewertung, sind wir jedoch rechtlich dazu verpflichtet diese zu prüfen. Diese Prüfung erfolgt strikt anhand rechtlicher Vorgaben und unabhängig vom Kundenstatus des Arztes – mit dem Ziel, jede authentische Bewertung, die ausreichend belegt ist, weiterhin zu veröffentlichen. Dafür setzen wir uns auch vor Gericht ein. Schon in vielen Fällen konnten wir den Erhalt authentischer kritischer Bewertungen erwirken: https://www.jameda.de/presse/pressemeldungen/?meldung=235
    Bei Fragen zu den genauen Gründen, warum deine Bewertung gelöscht wurde, kannst du dich gerne an unser Qualitätsteam wenden: bewertungen@jameda.de

    Viele Grüße
    dein jameda Team

    1. Liebes jameda Team,

      vielen Dank für die ausführliche Antwort.
      Dass ihr hohe Qualitätskriterien für Bewertungen ansetzt, finde ich grundsätzlich sehr vernünftig. Schließlich entstehen viele negative Bewertungen aus einem emotionalen Impuls heraus und sind dabei wenig sachlich. Und genau vor diesem Hintergrund ist es wichtig, dass die bewerteten Ärzte die Möglichkeit bekommen, sich gegen unfaire oder sogar rufschädigende Bewertungen zur Wehr zu setzen. Ich denke soweit sind wir uns einig.

      Mit meiner Kritik wollte ich keineswegs behaupten, dass ihr meine Bewertung nur gelöscht habt, weil der Arzt einen Premium-Account hat. Aber durch eure standardisierte Antwort-E-Mail bleibt es für mich vollkommen intransparent, inwiefern ich mit meiner Bewertung gegen eure Nutzungsrichtlinien verstoßen haben soll, zumal ich unzweifelhaft meinen Praxisbesuch belegen konnte. Dass ihr damit bei euren Nutzern des Nicht-ernst-genommen-werdens und damit Raum für Spekulationen hinterlasst, sollte euch eigentlich nicht überraschen. Was ich mir gewünscht hätte wäre eine Erklärung zu eurer Entscheidung gewesen und die Möglichkeit, meine Bewertung demgemäß nochmals zu überarbeiten.

      So aber habt ihr mich als Nutzer verloren, denn ich sehe keinerlei Sinn darin, mir nochmals die Mühe zu machen, eine ausführliche Bewertung auf jameda zu hinterlassen.

      Viele Grüße
      Katharina

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